6. Juli 2026

Aktuelles aus den Beratungs- und Bildungsprojekten

Aus dem Mobilen Beratungsteam gegen Rechtsextremismus

Barriereabbau als Prozess – Entwicklungsschritte auf dem Weg zu einer niedrigschwelligeren Projektpraxis
In diesem Newsletter wollen wir im Rahmen der Berichte aus den Projekten als MBT Hamburg einen Einblick geben in einen Aspekt der Projektarbeit, der als Prozess unsere verschiedenen  Handlungsfelder betrifft: den Abbau von Barrieren.

Spätestens mit dem Barrierefreiheitsstärkungsgesetz wuchs im vergangenen Jahr das allgemeine Bewusstsein für Bedarfe und Möglichkeiten, digitale Produkte und Dienstleistungen so zu gestalten, dass diese ohne besondere Erschwernis und ohne fremde Hilfe auffindbar, zugänglich und nutzbar sind. Als Beratungseinrichtung verfügt das MBT zudem über eine klare Eigenmotivation, die Projektarbeit und -angebote hinsichtlich Barrieren zu überprüfen und entsprechende Veränderungen einzuleiten.

Dieses Interesse hat im Feld der Arbeit gegen Rechts auch spezifische fachliche Grundlagen: Zielgruppen von barriereärmeren Angeboten sind häufig auch auf besondere Weise mit dem Themenfeld verbundeneinerseits dadurch, dass rechte Akteur*innen versuchen, sie gezielt mit Vereinfachung und Falschdarstellungen strategisch anzusprechen, andererseits durch die eigene Betroffenheit von ausgrenzenden rechten Ideologien. Zudem bringen die strukturellen Barrieren auch mit sich, dass es wenige, bis keine Angebote politischer Bildung gibt, die inklusiv(er) sind.

In dem Prozess des Barriereabbaus beim MBT haben bislang verschiedene Schritte und Anstrengungen stattgefunden.

Zentrale Bedeutung hat in diesem Zusammenhang der Bereich der Öffentlichkeitsarbeit, um zu gewährleisten, dass das Beratungsangebot bekannter und zugänglicher wird. Die beiden Homepages des Projektes wurden überarbeitet (konkret beispielsweise Screenreader-tauglich, Formate der Headlines, Verlinkungen, Bildbeschreibungen). Auch die Infomaterialien wie Flyer oder Handlungskarten erfuhren eine umfassende Überprüfung und Erneuerung (hier beispielsweise Schriften und Farben, Kontraste, Layoutelemente), ein Audioflyer erstellt (https://mobileberatunghamburg.de/).

Die Bildungsarbeit des MBT dient vor allem dazu, über Beratungsprozesse hinaus Inhalte an möglichst breite Zielgruppen zu vermitteln. Auch hier ließen und lassen sich Barrieren vermindern – in der Gestaltung von Seminarmaterialien (beispielsweise Powerpoint-Folien) oder durch den Einsatz eines Leitfadens in der Vorbereitung von Veranstaltungen (Check verschiedener Aspekte wie Räume, Seminarablauf, Methoden, Sprache hinsichtlich möglicherweise spezifischer Bedarfe der Teilnehmenden) mit dem Ziel möglichst umfassender Inklusion von Zielgruppen. Auf Anfrage von Institutionen gibt es erste Erfahrungen des MBT in der Durchführung von Veranstaltungen mit Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache (DGS). Die ausführlichen Absprachen vorab und ein Handout mit zentralen Inhalten der Veranstaltung sind Aspekte, die wir mittlerweile als Standards für verschiedene Veranstaltungen etablieren.

Bestandteil der Bemühungen um Inklusion und Barriereabbau ist auch der Einsatz von Leichter Sprache – sei es als Format für Broschüren oder durch Veranstaltungen in Leichter Sprache mit Verstehensassistenzen. Insgesamt profitieren alle Teamenden und Teilnehmenden durch bedarfsgerechtere Angebote. Mehr und längere Pausen, verschiedene Darstellungsformen, sprachliche Vielfalt oder leichtere Verständlichkeit erleichtern den Zugang für viele.

Der andauernde Prozess des Barriereabbaus beinhaltet selbst Hürden, nicht zuletzt begründet in strukturellem Ableismus: Die Reduktion von Barrieren ist mit einigem Aufwand verbunden – Materialien müssen überarbeitet, Konzepte neu gedacht, Technik verändert werden. Beteiligt ist das ganze Team, Fortbildungen und Konzeptarbeit sind nötig. Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist, dass auch Dienstleister*innen in den Prozess mitgenommen werden müssen bzw. diesen auch durch eigene Kompetenzen mittragen müssen. Schließlich bedeuten die Umstellungen auch punktuell Verzicht oder Veränderung von Sehgewohnheiten, wenn etwa Grafik und Design schlichter, d.h. klarer ausfallen oder etablierte Farbkombinationen nicht mehr in Frage kommen. Sie bedeuten Mehrarbeit und Mehraufwand, wenn Veranstaltungen anders vorbereitet oder mit zusätzlichem Personal durchgeführt werden.

Eine Herausforderung in dem Prozess ist es, passgenau je nach Zielgruppe einer Veröffentlichung bzw. einer Veranstaltung die entsprechende Ebene zu wählen, also einerseits im professionellen Diskurs sprachliche Formen zu wählen, die Differenzierung ermöglichen und Diskussionsstände aufgreifen, gleichzeitig in anderen Kontexten Anforderungen, Komplexität und Barrieren zu reduzieren.

Hilfreich ist, dass gleichzeitig auch die Erträge im Prozess schnell deutlich werden: Neue Kooperationspartner*innen bereichern die Arbeit, so dass auch gemeinsam neue Zielgruppen erschlossen werden können. Dies hat wiederum Effekte auf die Beratungsarbeit als auch auf die Bildungsangebote im Sinne einer Selbstreflexion und Weiterentwicklung.

Die Rückmeldungen sind durchgehend positiv. Die Broschüre in Leichter Sprache beispielsweise wurde bereits mehrfach nachgedruckt, wird kontinuierlich von sehr vielen, auch unterschiedlichen Initiativen und Beratungseinrichtungen – auch bundesweit – eingesetzt. Die Veranstaltungen mit Verstehensassistenzen oder Gebärdendolmetscher*innen werden kontinuierlich wiederholt. Auch auf Barriereabbau bei Materialien gibt es positive Resonanzen. Gleichzeitig gibt es im Prozess kontinuierlich auch weitere Punkte, deren Überarbeitungsbedarf – intern oder extern angemerkt wird.

Kontakt:
Mobiles Beratungsteam (MBT)
Telefon: 040 284016-202
mbt@hamburg.arbeitundleben.de


Aus der Beratungsstelle empower

In dieser Ausgabe des Newsletters berichten wir kurz über unsere Arbeit im Kontext antisemitischer Gewaltvorfälle vor. Wir geben einen Überblick über unsere Beratungs- sowie Bildungsarbeit dazu und berichten anonymisiert über aktuelle Erfahrungen, die Ratsuchende uns in den Beratungen schildern. Am Ende geben wir wieder einen kleinen Überblick über die nächsten Bildungsveranstaltungen mit empower und anstehende Gedenk- und Erinnerungstage.

Beratungs- und Bildungsarbeit von empower im Kontext von antisemitischen Vorfällen
Wir vom Projekt empower beraten Betroffene, aber auch Angehörige, Freund_innen oder Zeug_innen von antisemitischen Gewaltvorfällen. In der Beratung bieten wir verschiedenste Unterstützungsmöglichkeiten an, die wir z.B. auf unserer Website aber auch in der letzten Ausgabe des Newsletters ausführlicher beschreiben. Dabei richten wir uns stets nach den Perspektiven und Bedarfen der Ratsuchenden.

Eine wesentliche Entwicklung der jüngeren Vergangenheit ist, dass im Kontext von antisemitischer Gewalt vermehrt Ratsuchende mit gesteigerten Ängsten und Sorgen bezüglich der eigenen Sicherheit in Beratung kommen. Sie berichten uns vom Rückzug sowohl aus dem öffentlichen Raum als auch aus privaten Kontexten. Juden_Jüdinnen berichten, sich noch seltener als zuvor als jüdisch zu erkennen zu geben. Sie entfernen beispielsweise jüdische Symbole aus ihren Fenstern, oder bestellen jüdische Zeitschriften ab, wenn diese statt im Briefkasten, gut sichtbar im Treppenhaus abgelegt werden. Hinzukommen fehlende Solidaritätsbekundungen nach antisemitischen Vorfällen ausdrücklich auch im engen Bekanntenkreis, sowie ein immer sichtbarerer Antisemitismus im Stadtbild, etwa in Form von Sachbeschädigungen an jüdischem Eigentum, Graffitis, Stickern oder antiisraelischen Kundgebungen. So sind die Beratungsanfragen nach dem 7. Oktober 2023 schlagartig auf mehr als das Doppelte angestiegen und halten sich seitdem auf diesem hohen Niveau.

Hier sind einige Zahlen und Fakten aus unserer Beratungstätigkeit im Kontext antisemitischer Vorfälle zum Überblick:

  • Etwa 15 % der Vorfälle, die bisher im Jahr 2026 im Kontext der Beratungsarbeit erfasst wurden, waren antisemitisch motiviert
  • Die Vorfälle, zu denen empower, berät finden in allen Bezirken Hamburgs und in den verschiedensten Kontexten statt: z.B. in der Öffentlichkeit, im ÖPNV, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft, in Bildungseinrichtungen, bei Behörden, im Internet und im privaten Umfeld der Betroffenen
  • Etwas mehr als ein Drittel der bisherigen Beratungen im Jahr 2026 finden im Kontext von einfachen bis hin zu schwersten Körperverletzungen sowie Sachbeschädigungen statt; knapp zwei Drittel der Beratungen finden im Kontext von verbalen Delikten wie Beleidigungen, Volksverhetzungen, Nötigungen und Bedrohungen statt
  • Es können verschiedene Formen von Antisemitismus unterschieden werden, die teilweise gleichzeitig bei antisemitischen Gewaltvorfällen in Erscheinung treten: Bei ungefähr 65% der bisherigen Beratungen im Jahr 2026 waren die vorangegangen Gewaltvorfälle israelbezogen antisemitisch motiviert; danach folgte antisemitisches oft biologistisch argumentiertes ‚Othering‘ (29%) und sekundärer oder Post-Shoah-Antisemitismus (14%)

Neben der Beratungsarbeit führt empower seit Jahren und so auch 2026 verschiedenste Bildungsveranstaltungen zum Thema Antisemitismus durch. Hierzu zählen beispielsweise Empowermenträume für Jüdinnen_Juden, Workshops für Personen, die solidarisch mit Betroffenen von Antisemitismus handeln möchten und Weiterbildungen für sozialpädagogische Fachkräfte und andere Akteur_innen. Im Jahr 2025 konnten so über 150 Personen bei explizit antisemitismuskritischen Bildungsveranstaltungen durch empower erreicht werden.

Auch sitzt empower gemeinsam mit Vertreter_innen der jüdischen Gemeinden, anderen Beratungsstellen, der Stiftung Hamburger Gedenkstätten und Lernorte sowie Wissenschaft und Behörden am Runden Tisch gegen Antisemitismus und zum Schutz jüdischen Lebens der Stadt Hamburg.

Vor dem Hintergrund der geschilderten Bedrohungslage, der sich Jüdinnen_Juden in Hamburg ausgesetzt sehen, blicken wir nicht zuletzt gespannt auf die Neubesetzung der Stelle einer_eines Beauftragten für jüdisches Leben und die Bekämpfung und Prävention von Antisemitismus in Hamburg, sowie die 2024 in der Landesstrategie angekündigte Einrichtung einer Bildungsstätte für antisemitismuskritische Bildung.

Kommende Bildungsveranstaltungen mit empower
21. August 2026 – Workshop „Das passiert gerade wirklich?! Verbündet-Sein bei rassistischen und antisemitischen Vorfällen“, Ort wird nach Anmeldung bekanntgegeben, Ausschreibung und Anmeldungsmöglichkeit werden in Kürze über unseren Mailverteiler versandt
17. September 2026 – Praxisorientierte Fortbildung „Schutzkonzept – Vieles kann getan werden bei Vorfällen rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt“, Sozialpädagogisches Fortbildungszentrum (SPFZ), Anmeldung noch bis 9. Juli möglich.

Gedenk- und Erinnerungstage
In dieser wiederkehrenden Rubrik möchten wir regelmäßig auf anstehende Gedenk- und Erinnerungstage hinweisen.
27. Juni – Todestag von Süleyman Taşköprü – 2001 in Hamburg getötet
24. Juli – Todestag von Mehmet Kaymakçı – 1985 in Hamburg getötet
22. August – Todestag von Nguyễn Ngọc Châu und Đỗ Anh Lân – 1980 in Hamburg getötet

Kontakt
empower
Telefon: (040) 284016-67
empower@hamburg.arbeitundleben.de


Aus dem Projekt Kurswechsel

Formen rechter Online-Radikalisierung: Nihilistic Violent Extremism (NVE)

Inhaltshinweis: Dieser Beitrag thematisiert sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche sowie rechtsterroristische Gewalt.

Veranstaltung
Am 16. April 2026 veranstalteten SHIFT – unser neuer Schwerpunkt für Online-Radikalisierung – und „Hamburg vernetzt gegen Rechts“ in Kooperation mit CeMAS einen Online-Vortrag zu Nihilistic Violent Extremism. Knapp 50 Fachkräfte und Interessierte folgten der Einladung – ein Zeichen für das wachsende Interesse an diesem noch wenig bekannten Phänomen.

Was ist NVE?
Unter Nihilistic Violent Extremism wird die Vernetzung vor allem junger Menschen in Online-Communitys verstanden, mit dem Ziel, schwerste Gewalt zu verüben – bis hin zu geplanten Terroranschlägen. Verbindendes Element ist keine politische Ideologie im klassischen Sinne, sondern eine nihilistische Weltsicht: Gewalt dient hier nicht der Erreichung eines Ziels, sondern der Zerstörung selbst – und dem Statusgewinn innerhalb der Community. Je brutaler die Tat, desto größer die Anerkennung.

Exemplarisch dafür steht der Hamburger Fall „White Tiger“: Im Juni 2025 wurde ein 20-Jähriger verhaftet, dem über 120 Straftaten zur Last gelegt werden – darunter Mord in mittelbarer Täterschaft, sexueller Missbrauch von Kindern und die Anstiftung zu Suizidhandlungen Minderjähriger.

Die Struktur: Das Netzwerk „Com“
Das betreffende Netzwerk nennt sich selbst Com und gliedert sich in drei Bereiche:

  • Extortion Com – Erpressung und sexualisierte Gewalt gegen Kinder
  • Cyber Com – Cyberkriminalität
  • Offline Com – Anstiftung zu Gewalttaten im analogen Raum

Zu den bekanntesten Gruppen gehört „764″, von der mittlerweile zahlreiche Nachfolgegruppen bestehen.

Einordnung: Weder rein (extrem) rechts noch ideologiefrei
Für eine wirksame Prävention ist eine differenzierte Einordnung entscheidend: Wer NVE pauschal als (extrem) rechts bewertet, verkennt seine nihilistische Dimension. Wer ideologische Komponenten hingegen ausblendet, unterschätzt das Terrorpotenzial. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Nihilistische Akzelerationismus – ein Teilbereich von NVE, der sich an terroristischen Taktiken orientiert und durch starken rechten Einfluss die Grenze zum Rechtsterrorismus zunehmend aufweicht. NVE-Gewalt trifft überwiegend die vulnerabelsten Gruppen der Gesellschaft; ihre Auswirkungen auf Betroffene sind mit denen rechts motivierter Gewalt vergleichbar.

Was bedeutet das für die pädagogische Praxis?
Online- und Offline-Sozialräume müssen konsequent zusammengedacht werden. Da Radikalisierung weit vor dem Einstieg in Netzwerke wie NVE beginnt, empfiehlt sich eine stärkere Verankerung folgender Themen in Schule sowie Kinder- und Jugendarbeit:

  • Toxische Männlichkeit und Incel-Ideologie
  • Antifeministische Narrative als Einstiegspunkt
  • Erkennen stark codierter Sprache und Meme-Kultur der (rechten) Online-Szene

Darüber hinaus braucht es eine engere Vernetzung zwischen Schule, Jugendhilfe und Beratungsstellen – denn die stark verschlüsselte Kommunikation der Szene macht es Außenstehenden schwer, Gewalt überhaupt zu erkennen.

Fragen oder Beratungsbedarf? SHIFT steht für Rückfragen und Unterstützung zur Verfügung: Mail: shift@cjd.de Web: shift.hamburg

Virulentes Thema aus unserer Beratungspraxis: Männlichkeit
Mit einem Tisch haben wir als KURSWECHSEL an der Veranstaltung „Jenseits von Macker und Mythos: Welche Männlichkeiten wollen wir leben?“ am 18. Mai 2026 im Kölibri teilgenommen. Bis zu 120 Teilnehmende haben sich zu unterschiedlichen Kontextualisierungen von bspw. Männlichkeit und Rassismus, Queerness, Vaterschaft oder (sexualisierter) Gewalt ausgetauscht und vernetzt. An unserem Tisch ging es um (extrem) rechte Vorstellungen und Realitäten von Männlichkeitsbildern und einem möglichen pädagogischen Umgang damit. Über zwei Runden fand ein reger Austausch statt, bei dem u.a. persönliche Erfahrungen geteilt und solidarischer Bezug genommen wurde. Vorstellungen vom starr biologistischen „Mann-sein“ als „Krieger/Beschützer“, „natürliches Familienoberhaupt“, Hypermaskulinität usw., die bei weitem nicht nur innerhalb einer (extremen) Rechten propagiert und gelebt werden, sind voller Widersprüche. Diese aufzuzeigen und zu dekonstruieren kann dazu beitragen, ein Problembewusstsein zu entwickeln und sich von Menschen abwertenden Ideologien zu distanzieren.

Veranstaltet wurde der Abend von Jungenarbeit Hamburg e.V., der Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg und W3_ Werkstatt für internationale Kultur und Politik e.V.

Frauen und Antifeminismus in der türkischen (extremen) Rechten – zwischen Diaspora und Staatstradition
(Extrem) rechte Bewegungen gelten im öffentlichen Diskurs häufig als Männerbünde. Diese Sichtweise greift jedoch zu kurz – insbesondere mit Blick auf die türkische (extreme) Rechte, die seit vielen Jahrzehnten auch in Deutschland präsent ist. Frauen spielen in diesen politischen Strömungen eine wichtige Rolle: Sie sind Trägerinnen nationalistischer Werte und Politiken, dienen als Symbole politischer Identität und sind zeitgleich Feindbild. Angefangen in den Gründungsmythen der „Grauen Wölfe“ über das kemalistische Ideal der „Republiksfrau“ bis hin zu aktuellen ultranationalistischen Darstellungen in sozialen Medien zeigt sich, dass Frauen eine zentrale Funktion einnehmen. Gleichzeitig sind Frauen aus Minderheiten, hier insbesondere Kurdinnen, Ziele sexueller und politisch motivierter Gewalt bis hin zur Tötung – in der Türkei ebenso wie in transnationalen Zusammenhängen.

Dastan Jasim zeichnet in ihrem Vortrag die historischen Kontinuitäten der Rolle von Frauen und Antifeminismus in der türkischen (extremen) Rechten nach – vom späten Osmanischen Reich bis in die heutige deutsche Diaspora. Dabei beleuchtet sie Angriffe auf feministische Strukturen, politische Gewalt gegen Frauen und fragt nach der Rolle staatlicher Institutionen in Deutschland. Diese Erkenntnisse setzt sie in Verbindung zu transnationalen (extrem) rechten Netzwerken. Anschließend geht sie der Frage nach, warum diese Aspekte in Deutschland bislang wenig öffentliche und politische Aufmerksamkeit erhalten haben.

Dastan Jasim ist Associate Fellow am German Institute for Global and Area Studies (GIGA) und hat zur politischen Kultur von Kurd*innen im Iran, in Syrien und im Irak promoviert. Sie arbeitet zu verschiedenen Themen der Region sowie zu Islamismus und Antisemitismus.

Juli 2026, 18 Uhr im Haus 73
Schulterblatt 73, 20357 Hamburg

Kontakt:
Kurswechsel
Telefon: 0800 / 565 780 056
Email: ausstieg@kurswechsel-hamburg.de

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